Neubeginn

m96_pfingsten-2026

 

Bergisch Gladbach | 24.05.2026

Die Fensterläden sind zugenagelt, die Tür ist mit einem Balken verriegelt. Jeder sitzt für sich allein, es wird kaum gesprochen, ab und zu wird geflüstert. Bei jedem Geräusch, das draußen zu hören ist, zuckt man zusammen. Und plötzlich, da steht er in ihrer Mitte – der auferstandene Christus. Niemand hat eine Tür oder ein Fenster geöffnet, niemand hat seine Schritte gehört, niemand hat mitbekommen, dass er auf sie zugegangen ist. Die erschöpften Anhänger, die sich zurückgezogen und eingeschlossen haben, waren voller Angst, Scham und Müdigkeit. Doch jetzt müssen sie erkennen: Jesus betritt – trotz alledem – ihren Raum. Sie waren davongelaufen, sie hatten sich versteckt, sie hatten Christus verleugnet. Doch er sucht sie auf. Er kommt nicht, um ihnen Vorwürfe zu machen. Weder Zweifel noch Schuld halten Christus davon ab, seine Nähe wieder herzustellen. Seine Worte lauten: »Friede sei mit euch.« (vgl. Johannesevangelium 20, 19). Und diese Worte sind mehr als ein Gruß, sie stellen die Freundschaft sofort wieder her – eine Freundschaft, die auch wir oft belastet oder verraten glauben. Doch der Herr geht auf jeden Einzelnen zu, er haucht jeden behutsam an. Liebevoll und vorsichtig. So zeigt er, ganz persönlich, seinen Beistand, inspiriert zum Neubeginn. 

Das Pfingstfest feiert diesen Neuanfang: Nicht enttäuschte Ansprüche sollen uns weiterhin lähmen, unseren Handlungsraum begrenzen – nein, die bei Jesus Christus erspürten Zusprüche sollen uns ermutigen, in neue Weiten aufzubrechen und neu zu beginnen, ganz neu.  

Frohe und gesegnete Pfingsten wünscht Ihnen
Ihr Norbert Hörter, Dechant